Bilder fliegen von Herz zu Herz

Malerin Barbara Meiler liebt Farbintensives: Es drückt Vitalität und Lebensfreude aus

Karben (sur). Innere Bilderwelten zu schaffen, ist Barbara Meiler ein Herzensanliegen. Die Karbener Künstlerin hat ein bewegtes Leben hinter sich. Nachdem sie 30 Jahre in der internistischen Praxis ihres Mannes bereits ein Berufsleben hinter sich hatte, reifte in ihr der Entschluss: »Jetzt verwirklichst du deinen Traum.« Sie startete 1991 an der Städelschule in Frankfurt ihre künstlerische Ausbildung. Fünf Jahre studierte sie an der Kunstschule des Ateliers Siegel Malerei, Aquarell, Tusche- und Kreidetechnik, Objekt- und Aktzeichnen und nahm dabei an Kunstreisen an die Cote d’Azur und in die Toskana teil. In dieser intensiven Phase des Lernens wurde der bekannte Meisterschüler der Städelschule, Michael Siegel, ihr Mentor. »Er hat verstanden, das zu wecken, was in mir steckt«, meint Meiler rückblickend.

Heute kann Meiler bereits auf eine jahrzehntelange Ausstellungspraxis zurückblicken. Seit 1995 ist sie anerkannte freischaffende Künstlerin. Als in Karben die Idee einer Künstlerinitiative aufkam, war sie von Anfang an dabei. Die Idee, bildende Kunst in Karben zu etablieren, war ihr wichtig. »Es gab schon viel für darstellende Kunst wie Theater und Musik, aber im Bereich der bildenden Kunst gab es damals nichts«, erinnert sich Meiler. Heute sei mit den Karbener Kunsttagen etwas etabliert worden, was eine große Chance habe, eine neue Tradition zu werden. Und so gehört Meiler zum Organisationsteam der dritten Karbener Kunsttage, die am 16. Und 17. September 2017 unter dem Motto »Kunst an der Quelle« stattfinden sollen.

Ihr Werk wird von großformatigen Serien zu verschiedenen Themen dominiert. Meiler war schon immer von Themen der Mythologie fasziniert. Zum Thema »Undine« ist dafür eine Serie mit 30 großformatigen Bildern entstanden. Die Meerjungfrau, die den Mut hat, ihrer Sehnsucht nach Vereinigung zu folgen und dafür ihr Element Wasser verlässt, um auf der Erde einen Partner zu finden, ist in farbintensiven Bildern erzählt. Das Element Wasser als weiblich und das Element Feuer als männlich ringen dabei um Vereinigung, eine Verbindung, die von kurzer Dauer ist und scheitert. Meiler fasziniert insbesondere der Mut der Undine, es zu wagen, ihren Traum zu verwirklichen.

In dem Bilderzyklus der »Daphne« ließ sich Meiler von der griechischen Mythologie dazu inspirieren, die Flucht der Daphne vor Apollo in einer Bilderserie festzuhalten. Aus der lebendigen jungen Frau wird durch die Flucht und Verwandlung ein Baum. Die Metamorphose ist in beeindruckenden Kunstwerken auch in strukturell gestalteten Bildern festgehalten, in die Teile von Baumrinden eingearbeitet sind. »Das Mystisch Märchenhafte findet sich in der Wirklichkeit wieder«, ist Meiler überzeugt. Die intensive Arbeit mit der Struktur wurde von einem Auftrag inspiriert, eine Ausstellung bildender Kunst für Sehbehinderte zu gestalten, die in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Stefan Müller 2015 realisiert wurde. An verschiedenen Stellen sind Werke von Barbara Meiler in der Karbener Öffentlichkeit zu finden. So hat sie im Auftrag der Stadtwerke Karben das Foyer des Hallenfreizeitbades künstlerisch gestaltet. Im Altenheim des ASB hängt ihr großformatiges Bild »Miteinander«. Ihre zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland haben zu Verkäufen bis in die USA, Neuseeland, den Niederlanden und in die Schweiz geführt. Derzeit arbeitet Meiler vor allem an Lichtbildern. Diese drücken mit hoher Farbintensität Vitalität und Lebensfreude aus. Der Betrachter soll dabei immer »die Möglichkeit haben, seine eigenen Bilder zu sehen«. Meiler selbst sagt: »Die intensive Auseinandersetzung mit archaischen Motiven in Verbindung mit meiner Emotionalität und Lebenserfahrung lassen meine Bilderwelten entstehen.« Für die nähere Zukunft ist ein weiteres Projekt großformatiger Bilder nicht ausgeschlossen, sagt Meiler: »Es geht schon wieder los, das Kribbeln im Bauch.«

13.12.2016, Wetterauer Zeitung